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Phosphatidylcholin: Wirkung, Anwendung und Vorkommen einfach erklärt

Phosphatidylcholin

Phosphatidylcholin ist ein Phospholipid und ein zentraler Baustein aller Zellmembranen im menschlichen Körper. Es ist an der Gehirnfunktion, der Darmgesundheit, dem Schutz der Leber und dem Zuckerstoffwechsel beteiligt – und wird zudem in der ästhetischen Medizin als sogenannte „Fett-weg-Spritze“ eingesetzt. In diesem Artikel erfahren Sie, was Phosphatidylcholin genau ist, wie es im Körper wirkt, in welchen Lebensmitteln es enthalten ist und worin sich Phosphatidylcholin und Lecithin unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

Phosphatidylcholin auf einen Blick

Was ist Phosphatidylcholin?  Ein Phospholipid, das Hauptbestandteil aller Zellmembranen im Körper ist.
Wofür ist es gut?  Für Gehirnfunktion, Darmgesundheit, Leber, Zuckerstoffwechsel und den Schutz der Körperzellen.
Wo ist es enthalten?  In Eigelb, Sojabohnen, Sonnenblumenkernen und Senf.
Phosphatidylcholin vs. Lecithin?  Nicht identisch – Phosphatidylcholin ist ein Bestandteil von Lecithin.

Die 5 wichtigsten Fakten zur Phosphatidylcholin Wirkung

  • Phosphatidylcholin und Lecithin sind nicht identisch – Phosphatidylcholin ist ein zentraler Baustein der Zellmembranen und ein Bestandteil von Lecithin.
  • Cholin schützt das Gehirn – als Bestandteil von Phosphatidylcholin steht es mit kognitiver Leistung, Gedächtnis und Konzentration in Zusammenhang.
  • Phosphatidylcholin wirkt entzündungshemmend und schützt Zellen vor Schäden durch sogenannte AGEs (gesundheitsschädliche Kohlenhydrat-Protein-Verbindungen).
  • Phosphatidylcholin schützt den Darm vor dem Eindringen von Bakterien und wird therapeutisch bei Colitis ulcerosa eingesetzt.
  • Einsatz in der ästhetischen Medizin: In der Injektions-Lipolyse („Fett-weg-Spritze“) wird Phosphatidylcholin zur Reduktion kleiner Fettpolster verwendet.

Was ist Phosphatidylcholin? Definition und Unterschied zu Lecithin

Die Begriffe „Phosphatidylcholin“ und „Lecithin“ werden im Alltag häufig synonym verwendet, obwohl sie nicht dasselbe bedeuten. Während Cholin ein Bestandteil von Phosphatidylcholin ist, ist Phosphatidylcholin wiederum ein Teil von Lecithin. Trotz dieser engen Beziehung sind die Begriffe also nicht gleichzusetzen.¹

Phosphatidylcholin gehört zur Gruppe der Phospholipide und ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen in allen Zellen unseres Körpers.² In seiner chemischen Struktur enthält Phosphatidylcholin als Kopfgruppe Cholin und ist am anderen Ende mit zwei Fettsäuren verbunden. Es ist Hauptbestandteil von Zellmembranen und spielt eine wichtige Rolle in der membranvermittelten Zellsignalisierung.³

Begriffe richtig einordnen

Cholin → ein essenzieller Nährstoff (Baustein)

Phosphatidylcholin → enthält Cholin (Phospholipid)

Lecithin → Sammelbegriff, enthält u.a. Phosphatidylcholin (Stoffgemisch)

Phosphatidylcholin Wirkung: Diese Bereiche im Körper sind betroffen

Phosphatidylcholin spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion von Zellmembranen. Im Organismus wird es zu Cholin verarbeitet. Sowohl Phosphatidylcholin als auch Cholin sind besonders im Gehirn von Bedeutung. Cholin ist ein lebenswichtiger Nährstoff für den Menschen und dient als Baustein für verschiedene Moleküle im Körper, darunter Membran-Phospholipide und der Neurotransmitter Acetylcholin. Eine ausreichende Cholin-Aufnahme kann das Gehirn schützen und die kognitive Leistung unterstützen – möglicherweise durch seine Rolle bei bestimmten Fettsäuren, die für ein gesundes Gehirn wichtig sind.⁴

Darüber hinaus wurde in Studien festgestellt, dass Phosphatidylcholin entzündungshemmend, antioxidativ und potenziell gegen Alzheimer wirksam sein könnte.⁵

Phosphatidylcholin als Entzündungshemmer

Eine Studie ergab, dass Phosphatidylcholin Entzündungssignale in von AGEs-behandelten Leber- und Nierenzellen reduziert. Es milderte zudem die Aktivierung von Rezeptoren durch AGEs. Dies deutet darauf hin, dass Phosphatidylcholin vor Schäden durch AGEs in Leber und Nieren schützen und möglicherweise zur Behandlung diabetischer und damit verbundener Erkrankungen nützlich sein könnte.⁶

Was sind AGEs?

AGEs (Advanced Glycation Endproducts) sind Moleküle, die entstehen, wenn Kohlenhydrate mit Proteinen, Fetten oder Nukleinsäuren in einer nicht-enzymatischen Reaktion kombiniert werden. Obwohl sie natürlich im Körper vorkommen, wird ihre Bildung durch hohe Zucker- und Fettmengen sowie durch hohe Temperaturen bei der Lebensmittelverarbeitung verstärkt.

Der gestiegene Konsum verarbeiteter Lebensmittel hat den AGE-Anteil in der westlichen Ernährung erhöht. Während der genaue Einfluss von AGEs auf die Gesundheit noch nicht abschließend geklärt ist, könnten sie bei der Entstehung von Krankheiten wie Typ-2-Diabetes oder Alzheimer eine Rolle spielen.

Phosphatidylcholin für Gehirn, Gedächtnis und Konzentration

Phosphatidylcholin spielt eine wichtige Rolle für das Überleben und die Entwicklung von Nervenzellen. Es beeinflusst die Freisetzung von Botenstoffen sowie die Funktion spezieller Rezeptoren und Proteine in den Nervenzellen. Das Gehirn enthält viel von einer speziellen Fettsäure namens DHA (Docosahexaensäure). DHA ist in neuronalen Membranphospholipiden – darunter auch Phosphatidylcholin – in hoher Konzentration enthalten. DHA kann die Menge an Phosphatidylcholin in den Nervenzellen erhöhen und dadurch die Signalübertragung sowie die Funktion von Proteinen in diesen Zellen beeinflussen.⁷

Aus diesem Grund wird Phosphatidylcholin als Nahrungsergänzung gerne bei nachlassendem Gedächtnis und reduzierter Konzentration eingesetzt – besonders in Kombination mit Phosphatidylserin, B-Vitaminen und Pflanzenextrakten wie Bacopa monnieri.

Phosphatidylcholin Wirkung im Darm und bei Colitis ulcerosa

Der Dickdarmschleim schützt den Körper vor dem Eindringen von Bakterien aus dem Stuhl. Ein Hauptbestandteil dieses Schleims ist Phosphatidylcholin, das rund 90 Prozent der Phospholipide darin ausmacht und Bakterien daran hindert, in die Darmwand einzudringen.

Bei Colitis ulcerosa – einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung – ist dieser Phosphatidylcholin-Gehalt stark verringert. Dadurch wird das Eindringen von Bakterien erleichtert, was Entzündungen begünstigen kann. Wurde dieser Mangel in Studien durch ein spezielles Medikament ausgeglichen, verbesserten sich die Entzündungssymptome. Das weist auf die Bedeutung von Phosphatidylcholin beim Schutz vor Dickdarmentzündungen hin und zeigt das Potenzial für neue Behandlungsmethoden bei Colitis ulcerosa.8

Phosphatidylcholin und die Leber – Schutz und Regeneration

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers und gleichzeitig stark auf Phospholipide angewiesen, da ihre Zellmembranen kontinuierlich erneuert werden müssen. Phosphatidylcholin gilt hier als wichtiger Baustein für die Zellregeneration. In Studien wurde beobachtet, dass eine ausreichende Phosphatidylcholin-Versorgung mit einer verbesserten Leberfunktion in Zusammenhang gebracht wird – insbesondere bei nicht-alkoholischer Fettleber.⁹ Darüber hinaus kann Phosphatidylcholin den Transport von Cholesterin und Fettsäuren aus der Leber unterstützen, da es als Bestandteil der sogenannten VLDL-Partikel (Very Low Density Lipoproteins) am Fettstoffwechsel beteiligt ist. Eine ausreichende Phosphatidylcholin-Verfügbarkeit ist essenziell für die Bildung und Sekretion von VLDL-Partikeln aus der Leber; Störungen dieses Prozesses werden mit einer vermehrten Fetteinlagerung in der Leber in Verbindung gebracht.¹⁰

Einfluss auf Zuckerstoffwechsel und Gallensäuren

Forscher fanden heraus, dass bestimmte Arten von Phosphatidylcholin in der Lage sind, spezielle Proteine (z. B. LRH-1) zu aktivieren. Dadurch können sie beeinflussen, wie unsere Körperzellen Zucker verarbeiten und wie Gallensäuren produziert werden.¹¹

Insulin-Signalwege

Phosphatidylcholin scheint auch eine Rolle dabei zu spielen, wie Insulin in unserem Körper arbeitet – ein Aspekt, der besonders für Menschen mit Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes interessant sein könnte.¹¹

Glukosehomöostase

Phosphatidylcholin kann zudem beeinflussen, wie Muskelzellen Zucker verarbeiten. Es dient als eine Art Substrat für Enzyme, die an der Regulierung des Glukosespiegels in den Muskelzellen beteiligt sind.¹¹

Phosphatidylcholin spritzen: Injektions-Lipolyse zum Abnehmen

Phosphatidylcholin wird in der ästhetischen Medizin für die Lipolyse verwendet, insbesondere für die sogenannte Injektions-Lipolyse. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Phosphatidylcholin direkt in unerwünschte Fettansammlungen – zum Beispiel ein Doppelkinn oder kleine Fettpolster an Oberschenkeln und Bauch – injiziert wird. Diese Behandlung ist auch unter den Suchbegriffen „Phosphatidylcholin-Spritze“ oder „Fett-weg-Spritze zum Abnehmen“ bekannt. Die Substanz soll die Fettzellen auflösen, das freigesetzte Fett wird anschließend vom Körper abtransportiert und auf natürliche Weise ausgeschieden.¹² Über die Effektivität lässt sich keine pauschale Aussage treffen. Einige Studien berichten allerdings über positive Effekte.¹³

Wichtiger Hinweis zur Injektions-Lipolyse

Die Injektionslipolyse (Fett-weg-Spritze) mit Phosphatidylcholin ist in ihrer Wirksamkeit und Anwendung teilweise umstritten. Sie sollte daher stets nur nach einer ausführlichen individuellen Beratung und sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Phosphatidylcholin in Lebensmitteln: Wo steckt es drin?

Phosphatidylcholin ist in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Wer auf eine ausreichende Versorgung achten möchte, sollte folgende Quellen kennen:

LebensmittelGehalt (Tendenz)Besonderheit
EigelbSehr hochWichtigste tierische Quelle
Sojabohnen / SojalecithinSehr hochWichtigste pflanzliche Quelle, vegan
SonnenblumenkerneHochBeliebte sojafreie vegane Quelle
SenfkörnerMittelVegan
Hülsenfrüchte, Nüsse, VollkornMittelVegan, ergänzende Quellen
Fisch, Fleisch, MilchprodukteGering bis mittelErgänzend zur Ernährung

Wer sich vegan oder vegetarisch ernährt, kann seinen Phosphatidylcholin-Bedarf über Sojalecithin, Sonnenblumenkerne und Hülsenfrüchte gut decken. Bei einseitiger Ernährung oder erhöhtem Bedarf kann zusätzlich eine Phosphatidylcholin-Nahrungsergänzung in Erwägung gezogen werden.

Phosphatidylcholin und Einnahme

Phosphatidylcholin sollte idealerweise zu einer Mahlzeit eingenommen werden, da es als fettlöslicher Stoff besser zusammen mit anderen Lebensmittelfetten aufgenommen wird. Bei magensaftresistenten Kapseln empfiehlt sich häufig die Einnahme etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Essen – die genauen Hinweise des Herstellers sollten beachtet werden.

Hinweis zur Einnahme

Schwangere, Stillende und Personen mit chronischen Erkrankungen sollten die Einnahme von Phosphatidylcholin-Präparaten vorab mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin abklären. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

Phosphatidylcholin erfüllt wichtige Körperfunktionen

Phosphatidylcholin ist ein essenzieller Bestandteil von Zellmembranen. Es ist in Nahrungsmitteln wie Eigelb, Sojabohnen und Sonnenblumenkernen enthalten und erfüllt im Körper vielfältige Funktionen, unter anderem:

  • Unterstützung der Gehirnfunktion durch die Umwandlung in Cholin und Acetylcholin
  • Entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften
  • Schutz des Darms gegen Bakterien – besonders relevant bei Colitis ulcerosa
  • Unterstützung der Leberfunktion und des Cholesterintransports
  • Beeinflussung des Zuckerstoffwechsels und der Insulin-Signalwege
  • Einsatz in der ästhetischen Medizin (Injektions-Lipolyse) – Wirksamkeit individuell unterschiedlich

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Häufige Fragen zu Phosphatidylcholin (FAQ)

Für was ist Phosphatidylcholin gut?

Phosphatidylcholin ist wichtig für die Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion von Zellmembranen. Im Gehirn spielt es eine zentrale Rolle in der Signalübertragung und bei der kognitiven Leistung. Es wirkt entzündungshemmend und antioxidativ, kann bei Dickdarmentzündungen unterstützend wirken und beeinflusst den Zuckerstoffwechsel sowie die Insulinsignalwege.

Welche Lebensmittel enthalten Phosphatidylcholin?

Phosphatidylcholin ist in vielen Lebensmitteln enthalten. Die wichtigsten Quellen sind Eigelb (tierisch) sowie Sojabohnen, Sonnenblumenkerne und Senfkörner (pflanzlich). Auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, Fisch, Fleisch und Milchprodukte tragen zur Versorgung bei.

Ist Lecithin Phosphatidylcholin?

Nein, Lecithin und Phosphatidylcholin sind nicht identisch. Lecithin ist ein Sammelbegriff für ein Stoffgemisch aus verschiedenen Phospholipiden – Phosphatidylcholin ist einer der Hauptbestandteile davon. Cholin wiederum ist ein Bestandteil von Phosphatidylcholin.

Hat Phosphatidylcholin Nebenwirkungen?

Phosphatidylcholin gilt in den üblichen Dosierungen als gut verträglich. Bei sehr hohen Mengen kann es vereinzelt zu Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Durchfall kommen. Bei der Injektions-Lipolyse können lokale Reaktionen wie Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle auftreten – diese Behandlung sollte ausschließlich von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden.

Ist Phosphatidylcholin gut für die Leber?

Phosphatidylcholin ist ein wichtiger Baustein der Leberzellmembranen und unterstützt deren Regeneration. In Studien wurde beobachtet, dass eine ausreichende Versorgung mit einer verbesserten Leberfunktion in Zusammenhang gebracht wird, insbesondere bei nicht-alkoholischer Fettleber. Zudem ist Phosphatidylcholin am Transport von Cholesterin und Fettsäuren aus der Leber beteiligt.

Kann Phosphatidylcholin beim Abnehmen helfen?

Phosphatidylcholin wird in der ästhetischen Medizin zur lokalen Reduktion kleiner Fettpolster eingesetzt (Injektions-Lipolyse) – als allgemeines Abnehmmittel ist es jedoch nicht etabliert. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion gelingt nur in Kombination mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung. Die Einnahme als Nahrungsergänzung ersetzt keinen gesunden Lebensstil.

Was machen Phospholipide im Körper?

Phospholipide spielen eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion von Zellmembranen. Sie sind wichtig für das Überleben und die Entwicklung von Nervenzellen, beeinflussen die Freisetzung von Botenstoffen und die Funktion spezieller Rezeptoren und Proteine. Darüber hinaus sind sie an verschiedenen Signal- und Stoffwechselwegen im Körper beteiligt und können eine schützende Rolle in unterschiedlichen Organen spielen.

Referenzen
  1. RxList: Phosphatidylcholine, online unter: https://www.rxlist.com/phosphatidylcholine/supplements.htm (zuletzt aufgerufen am 18.08.2023).
  2. Bellot PENR, Moia MN, Reis BZ, Pedrosa LFC, Tasic L, Barbosa F Jr, Sena-Evangelista KCM. Are Phosphatidylcholine and Lysophosphatidylcholine Body Levels Potentially Reliable Biomarkers in Obesity? A Review of Human Studies. Mol Nutr Food Res. 2023 Apr;67(7):e2200568. doi: 10.1002/mnfr.202200568. PMID: 36707969.
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